Archiv für den Monat: Januar 2013

Was ist von Tempo-30 generell zu halten?

Ohne zusätzliche Massnahmen (zur Verkehrsberuhigung) wird Tempo-30 generell (oder flächendeckend) von den Verkehrsteilnehmern schlecht eingehalten.
Eine Abnahme der Verkehrsdisziplin wurde
festgestellt. Das Ziel – durch generelle Temporeduktionen Unfälle zu vermeiden – wird   nicht erreicht. Eine solche Vorschrift wäre nicht nur unangepasst, sondern stünde klar im Widerspruch zum Volkswillen, der am 4. März 2001 mit überwältigender Mehrheit seinen Ausdruck fand; ganz zu schweigen von den enormen Kosten. Denn eine wirksame flächendeckende Einführung von Tempo-30 würde eine Umgestaltung des gesamten Innerortsnetzes bedingen.

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe

Wie steht es mit den Schwellen und anderen Hindernissen?

Das Beste wäre, darauf zu verzichten, weil sich die Autolenker vollumfänglich auf die Schwelle konzentrieren, kurz abbremsen, um einen Schlag zu vermeiden und dann wieder beschleunigen.
Die erhoffte Wirkung wird nicht erfüllt.
Die Kosten solcher Schikanen, die Zunahme von Lärm und Abgasen, eine Problematik mit Zweirädern sowie Schwierigkeiten bei der Schneeräumung sind weitere Negativpunkte.

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe weitere Auszüge folgen

 

Was ist mit den Markierungen, die eine optische Täuschung bewirken?

Fantasiemarkierungen bezwecken, bei den
Fahrern eine Unsicherheit zu erzeugen, die das Unfallrisiko verringern soll. Abgesehen davon, dass eine solche Wirkung nachzuweisen wäre, kann die Reaktion eines verunsicherten Fahrers auch total unberechenbar sein. Gemäss den UVEK-Weisungen sind solche Markierungen unzulässig.

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe weitere Auszüge folgen

Wie steht es mit den Pflastersteinen?

Gepflasterte Flächen können die Lenker dazu bewegen, langsam zu fahren. Andererseits sind die Nachteile zu gewichtig, wie Lärm,
Schwierigkeiten für Sehbehinderte, für Rollstühle und Kinderwagen, Unterhaltsprobleme – insbesondere
im Winter –- wie auch Schwierigkeiten
und Risiken für die Zweiräder. Deshalb sollte vermieden werden, grössere Flächen mit solchen Pflastern zu überdecken. Werden sie hingegen örtlich und kleinräumig eingesetzt, so können sie zugelassen werden, um den Raum zu strukturieren und auf gewisse Eigenheiten aufmerksam zu machen, vorausgesetzt die Lärmzunahme bleibt erträglich.

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe weitere Auszüge folgen 

Was ist von Kinderfiguren am Strassenrand zu halten?

Die Wirkung von Kinderfiguren ist zumeist schwach. Oft bleiben sie dauernd am selben Ort, woran sich die Fahrer gewöhnen und ihre Aufmerksamkeit abnimmt. Eine kontraproduktive Wirkung ist möglich, die zu Unfällen führen kann. So kann es vorkommen, dass Kinder mit den Figuren verwechselt oder optisch von ihnen verdeckt werden. Als alternative schlägt der TCS den Gemeinden und der Polizei gezielte Aktionen vor, wie “Geschwindigkeit anpassen” (Aufhängen von Spruchbändern und andere Sensibilisierungsaktionen).

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe weitere Auszüge folgen

Erwartungshaltung und effektiver Nutzen

Oft wird argumentiert, die Einführung einer
Tempo-30-Zone bringe eine Senkung der
Unfallzahlen und reduziere die Unfallschwere.
Man hört auch, die Luft werde sauberer und der Lärm nähme ab. Bedauerlicherweise erweisen sich diese Behauptungen nur teilweise als richtig.

 

Was bringen Zonen bezüglich Unfälle?
Je schneller ein Fahrzeug fährt, desto länger wird sein Anhalteweg, weil die abzubauende
Bewegungsenergie aus physikalischen Gründen im Quadrat der Geschwindigkeit zunimmt.
Deshalb können bereits vermeintlich harmlose Geschwindigkeitsüberschreitungen schwerwiegende Folgen zeitigen. Fährt beispielsweise ein Fahrzeug innerorts statt der erlaubten 50 km/h mit 55 km/h und muss es eine Vollbremsung einleiten, dann hat es dort, wo ein Fahrzeug mit 50 km/h nach einer Vollbremsung bereits stillsteht, immer noch eine Geschwindigkeit von über 22* km/h.

Behauptung:
Eine Zone mit Geschwindigkeitsbeschränkung reduziert nicht nur die Zahl der Unfälle, sondern auch die Anzahl schwerer Unfälle.

Wirklichkeit:
Tempo-30- sowie Begegnungszonen sind für Strassen von zweitrangiger Bedeutung vorgesehen, deren Unfallrate normalerweise tief ist. In den entsprechenden Quartieren erlauben es die Strassenverhältnisse meist nicht, 50 km/h zu fahren. Das Strassenverkehrsgesetz und die grundsätzliche Vorsicht verlangen, dass die Geschwindigkeit stets den Verhältnissen anzupassen ist. Also muss im Zweifelsfall und besonders in Wohnquartieren oder in Schulbereichen sowieso langsamer gefahren und Bremsbereitschaft erstellt werden, was den Anhalteweg erheblich verkürzt. Wie Versuche zeigen, senkt die Einführung von Tempo 30 mit Zusatzmassnahmen die effektiv gefahrene Geschwindigkeit nicht um 20 km/h, sondern um 10 bis 15 km/h. Die Wirkung auf die Gesamtheit der Unfälle und auf ihre Schwere bleibt relativ schwach. Eine tiefere Geschwindigkeit reduziert theoretisch die Unfallschwere. Klar ist, dass die Unfälle umso leichter sind, je tiefer die Geschwindigkeit war; so gibt es bei 0 km/h weder Unfälle noch Mobilität. Dies wird gewöhnlich durch Anhaltedistanzen bei verschiedenen Geschwindigkeiten aufgezeigt.
Wie die Praxis zeigt, stellt das Fahrtempo jedoch nur einen Teil der Problematik dar. So
hängt der Anhalteweg von vielen Faktoren wie Reaktionszeit, Neigung, Belag, Bereifung und Wetter (bei Schnee oder Eis verlängert sich der Bremsweg auf das 10- bis 15-fache). Es gibt z.B. Fälle, wo – schon nur in Funktion der Reaktionszeit – ein Auto, das mit 50 km/h unterwegs ist, einen ähnlichen Anhalteweg hat wie eines mit 30 km/h 1, s.a. Anhang 5.

Anhaltewege2 bei:
30 km/h, gute Reaktion (1 sec): s = 12,7 m
30 km/h, schlechte Reaktion (3 sec): s = 29,3 m
50 km/h, gute Reaktion (1 sec): s = 25,9 m

Im Übrigen kann bei den Fussgängern und den Fahrern das Vertrauen auf die Tempolimiten
zulasten der Eigenverantwortung gehen. Ein falsches Sicherheitsgefühl macht sich in solchen Fällen breit, was die Aufmerksamkeit reduziert und das Verhalten verändert. Dazu kann die Vielfalt der einschränkenden Massnahmen gewisse Situationen unklar erscheinen lassen und zur
Zunahme der Unfälle beitragen, was zum Gegenteil der erwünschten Wirkung führt. Aus all diesen Gründen kann eine Gesamtheit von Massnahmen, die sich in einer Gemeinde bewährt haben, nicht ohne weiteres in einer anderen übernommen werden, wo sie nicht dieselbe Wirkung hätten. Nur die Praxis erlaubt es, sich ein klares Bild zu machen. Davon zeugen gewisse Fälle, wo eine ungeschickte Planung von Tempo-30-Zonen die Anzahl Unfälle erhöht hat. In solchen Fällen
können sich Informationskampagnen und Zusatzmassnahmen als nötig erweisen.

Fazit:
Ob es zu einem Unfall kommt, hängt von sehr vielen Faktoren ab, also nicht allein von der
gefahrenen Geschwindigkeit oder vom Anhalteweg. Unter dem Aspekt der Sicherheit
mindestens ebenso entscheidend sind die Aufmerksamkeit und das Verhalten aller
Betroffenen, die Fahrtechnik, die Erfahrung, die Steuerbarkeit des Fahrzeuges, die
Sichtverhältnisse (Beleuchtung, Strassengestaltung), die Vorschriften (ungewohnte
Vortrittsregelung), die Bremsbereitschaft und anderes mehr. Eine “absolut sichere
Geschwindigkeit” gibt es nicht; auch eine Kollision mit 20 km/h kann für die ungeschützten
Verkehrsteilnehmer tödlich enden.

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe weitere Auszüge folgen

Wo ist eine Zone sinnvoll?

Ziel einer Tempo-30-Zone ist es, den Verkehr zu beruhigen und somit auch die Aufenthaltsqualität und die Sicherheit in Wohnquartieren zu verbessern. Eine Tempo-30- Regelung macht in einem Industriequartier ebensowenig Sinn wie auf einer vielbefahrenen
Durchgangsstrasse. Tempo-30-Zonen sind deshalb in klar abgegrenzten Wohngebieten
und erkennbar für die Verkehrsteilnehmer anzuordnen. Verkehrsorientierte Strassen, also
Strassen mit einem grossen Anteil an durchfahrendem Verkehr, gehören nicht in eine Zone mit
Geschwindigkeitsbeschränkung.
Die Begegnungszone hat zum Ziel, einen Raum für Aktivitäten (Spiel, Spaziergänge,
Shopping usw.) zu schaffen, ohne dabei den Fahrzeugen das Durchfahren zu verbieten. Die
Fläche, welche von der Begegnungszone eingenommen wird, muss stark begrenzt bleiben.
Damit wird vermieden, dass sie zu Spitzenzeiten als Abkürzung verwendet wird. Im übrigen
bestünde bei einem Überborden solcher Zonen das Risiko eines Umkehreffekts ausserhalb der
Zonen, indem die Aufmerksamkeit der verletzlichsten Verkehrsteilnehmer verringert ist: Bei
Fussgängern, die über beschränkte Kenntnisse oder Fähigkeiten verfügen, (Kinder, Personen mit
beschränkter physischer Kapazität, Kranke usw.), besteht das Risiko, dass sich ihr Aufmerksamkeitsniveau verringert, und dies kann auch ausserhalb dieser Zonen geschehen.

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe weitere Auszüge folgen

Wie spielt sich der Verkehr in einer Zone ab?

Verkehrsberuhigungsmassnahmen motivieren die Verkehrsteilnehmer, besonders rücksichtsvoll zu fahren. Mit der Aufhebung der Vortrittssignale haben die Fahrzeugführer vor jeder Kreuzung ihre Geschwindigkeit zu mässigen und gegebenenfalls anzuhalten. Ist das Kreuzen heikel oder unmöglich, so muss das vortrittsbelastete Fahrzeug (auf der Strassenseite des Hindernisses) anhalten und dem Gegenverkehr den Vortritt lassen, was ebenfalls zur Verkehrsberuhigung beiträgt. In Begegnungszonen verlangsamen die vortrittsberechtigten Fussgänger und die fahrzeugähnlichen Geräte den Verkehr noch zusätzlich.

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe weitere Auszüge folgen

Wann funktioniert eine Zone nicht?

Eine Zone wird zur blossen Alibi-Uebung, wenn sie lediglich bei der Einfahrt signalisiert ist und auf die notwendigen, gestalterischen Massnahmen verzichtet wurde, die das Fahren mit hohem Tempo verhindern sollen. Fehlt es an Verkehrsberuhigungsmassnahmen, vergisst der Autolenker, dass er sich in einer speziellen Zone 6 2 Funktion und Prinzip befindet. Derselbe Effekt kann auch auftreten, wenn die Zone zu gross ist. Wird eine Zone als solche erkannt, dann akzeptiert sie der Verkehrsteilnehmer in der Regel auch, und er fährt spontan langsamer. Ideal wäre die Zone, wenn eine spontane Temporeduktion einzig durch die Ausgestaltung ausgelöst wird, ohne dass eine Signalisierung nötig wäre.

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe weitere Auszüge folgen

Wie ist eine Zone zu gestalten?

Eine Tempo-30-Zone soll den Eindruck einer geschlossenen Einheit vermitteln. Jeder Zoneneingang ist durch ein gut sichtbares “Tor” zu gestalten. Dies kann durch eine Markierung, einen Spezialbelag, eine Aufpflästerung oder eine Verengung der Fahrbahn geschehen. Auch markant gesetzte Bäume oder Büsche können einen Zoneneingang hervorheben. In allen Fällen ist es wichtig, dass diese Möblierung nicht die Sicht auf die empfindlichsten Verkehrsteilnehmer (z.B. auf die Kinder!) verdeckt. Abgrenzende Elemente der Zone können Hauptstrassen, Gewässer, Wald, Grünzonen, Bahnanlagen und ähnliches sein. Sie muss sich allerdings innerorts befinden. Innerhalb der Zone werden die traditionellen Markierungen durch Spezialmarkierungen ersetzt. Der ursprünglich kontinuierlich verlaufende Strassenrand erfährt Knicke, indem Parkplätze wechselseitig markiert oder horizontale Versätze – beispielsweise mittels Bepflanzung (eine genügende Sicht vorausgesetzt) – angebracht werden. Falls erforderlich, können sporadisch stärkere Verengungen realisiert werden. Die Mischung des Verkehrs führt manchmal dazu, dass in Tempo-30-Zonen die Trottoirs entfernt werden, in Begegnungszonen sollte es gar keine Trottoirs mehr geben. Mehr Details zur Gestaltung finden sich in der Broschüre “Sicherheit in den Quartieren”.

Quelle TCS Broschüre Zonen unter der Lupe weitere Auszüge folgen